Backhaus Neuhof

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Harz-Kurier vom 16.05.2022 Weißer Rauch zum Neuanfang in Neuhof: Backhaus und Köhlerhütte Vorgestellt von Thorsten Berthold
100.000 Euro und 2.500 Arbeitsstunden hat der Förderverein Kultur- und Heimatpflege Neuhof investiert.
Weißer Rauch steigt auf – und er läutet eine neue Ära ein: Nein, es ist kein neuer Papst gewählt worden, sondern in Neuhof wurde ein Gipsbrand am historischen Ofen entfacht – und damit das Festwochenende des Fördervereins für Kultur- und Heimatpflege Neuhof eingeleitet. Denn mit Feuer und Rauch begann alles, zunächst eine Tragödie, die nach zweieinhalb Jahren harter, ehrenamtlicher Arbeit der Vereinsmitglieder um den Vorsitzenden Klaus Liebing und mit der Unterstützung zahlreicher Sponsoren und Förderer in etwas sehr Positives für den Ort und die Region verwandelt werden konnte.
Alte Köhlerhütte wird Opfer eines Brandstifters Denn der 22. Oktober 2019 war ein Tag, der den Förderverein nachhaltig veränderte. Die Köhlerhütte des Vereins wurde Fall Nummer 17 der Brandserie im Dorf, die Hütte ein Opfer der Flammen und völlig zerstört. Damals konnte aber niemand erahnen, was für eine positive Entwicklung aus der Asche heraus entstehen sollte.
Am 14. Mai 2022 konnte das Team offiziell – vorher war es aufgrund der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen nicht möglich – die neue Köhlerhütte sowie das ebenso neue Backhaus der Öffentlichkeit, aber auch die Hillebille und den Brunnen, die nebenbei noch installiert bzw. reaktiviert wurden, vorstellen. Passend zum 15-jährigen Bestehen des historischen Gipsbrennofens in Neuhof wurde auch ein Gipsbrand angesetzt.
Volksfeststimmung am Neuhofer DGH Und das Interesse an der Arbeit des Vereins war immens groß: bereits eine halbe Stunde vor dem offiziellen Start war das Festgelände am Dorfgemeinschaftshaus gut gefüllt, bei Bratwurst, Fischbrötchen und kühlen Getränken kam von Beginn an Volksfeststimmung auf.
Das war es auch, was sich vor allem der Vorstand des Fördervereins mit dem Wochenende erhofft hatte. „Heute ist es Zeit Danke zu sagen allen, die an den Bauwerken mitgearbeitet, Ideen eingebracht und gesponsert haben. Aber auch bei denen, die das Fest vorbereitet haben und heute helfen“, erklärte Klaus Liebing unter Beifall der Anwesenden.
Beeindruckende Bilanz ehrenamtlicher Arbeit Die Bilanz, die letztlich zum Bau der Bauwerke geführt hat, ist dabei eindrucksvoll: 1.200 Stunden ehrenamtliche Arbeit und etwa 50.000 Euro wurde in die neue Köhlerhütte investiert, dazu noch einmal 1.300 Stunden ehrenamtliche Arbeit sowie 52.000 Euro in das Backhaus darunter zahlreiche Spenden und Fördermittel wie durch das Leaderprojekt beim Backhaus. „Beide Bauwerke waren für uns mühsam, haben uns aber als Verein noch näher zusammengebracht und gestärkt“, betont Liebing. Auch neue Mitglieder konnten gewonnen werden, gar eine neue Backabteilung, die unter der Leitung von Ulf Hoffmeister steht, gegründet werden. Sechs Mal fand im Vorfeld ein Probebacken statt, bei dem Brote, Pizza und Kuchen „Made in Neuhof“ reißenden Absatz fanden. Das Festwochenende bildete keine Ausnahme. Fast jeder, der das Gelände verließ, hatte ein Brot mitgenommen. Die Backabteilung hatte dafür zwei Tage jeweils acht Stunden durchgebacken.
Förderverein „Kultur- und Heimatpflege Neuhof e. V.“ © 2023 Wolfgang Balogh
20 Tonnen Steine mit dem Trecker transportiert Dem Verein war es aber auch wichtig, den Gipsbrennofen mit in das Programm einzubeziehen. Diesen hatte man im Jahr 2006 in Dorste abgebaut und 20 Tonnen Steine per Trecker in einer Nachtfahrt nach Neuhof transportiert. Und auch hier zeigt sich ein wichtiges Ziel des Vereins, dass der Ofen gleich mit Köhlerhütte und Backhaus hat. Man will ein Stück Vergangenheit erhalten und pflegen, dann all dies gehört zu Neuhofs Geschichte.
Es gab aber nicht nur die Gebäude zu entdecken und Kulinarik zu genießen, auch für ein Rahmenprogramm war gesorgt. Dabei wurden auch wieder Verbindungen des Vereins zu Partnern und Förderern eingebaut. Beispielsweise gab es einen Sonderstempel für den Aktionstag von der Harzer Wandernadel, der großes Interesse fand – und deren Geschäftsführerin Christina Grompe eigens angereist war.
Alphornbläser und Erzgebirgsmusikanten sorgen für Musik Für passende Musik an dem Tag sorgte die Nordhäuser Alphornbläsergruppe sowie die Jagdhornbläsergruppe Birkenmoor, beide unter der Leitung von Susann Schröter, wie auch die Original Erzgebirgsmusikanten aus Neuhofs Partnerstadt Bockau, die sich sehr für die Einladung bedankten. Zwischen Programm und Besichtigung der Bauwerke kam dann beste Volksfeststimmung auf, die mit dem Frühschoppen am nächsten Morgen einen passenden Ausklang fand.
Landrat lobt herausragendes ehrenamtliches Engagement in Neuhof Dass es aber etwas Besonderes und keinesfalls selbstverständliches ist, in dieser Weise feiern zu können, betont Göttingens Landrat Marcel Riethig noch einmal ausdrücklich – und wohl auch stellvertretend für viele: „In Neuhof wird ehrenamtliches Engagement nicht nur gezeigt, es wird gelebt.“ Neuhof – und eben Vereine wie der Förderverein für Kultur- und Heimatpflege seien Musterbeispiele für die Region und weit darüber hinaus. Er selbst könne nur Danke sagen, für diese großartige ehrenamtliche Arbeit.