Backhaus Neuhof

Aktuell

Förderverein „Kultur- und Heimatpflege Neuhof e. V.“ © 2023 Wolfgang Balogh
Passend zum 1. Advent: Stollen aus dem Backhaus in Neuhof
Thorsten Berthold
Premiere: Erstmals werden im Backhaus in Neuhof vom Team vom Förderverein Kultur- und Heimatpflege Christstollen gebacken. Hier wird gerade der Teig portioniert.
Foto: Thorsten Berthold / HK
NEUHOF.
Premiere geglückt: Nach Brot und Flammkuchen werden in Neuhof Christstollen gebacken. Die Ausgabe erfolgt im Südharz am 1. Adventswochenende.
 
 
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Er gehört zur Advents- und Weihnachtszeit genauso wie der obligatorische Kranz mit den vier Kerzen oder der geschmückte Baum: die Rede ist vom Stollen. Und nach Jahrzehnten wird es das besondere weihnachtliche Gebäck wieder „Made in Neuhof“ geben. Das Backteam vom Förderverein Kultur- und Heimatpflege hat die Premiere erfolgreich hinter sich gebracht und am 4. November erstmals Stollen im Backhaus des Vereins zubereitet. Aktuell werden diese – wie es die Rezepte vorsehen – noch 14 Tage gelagert, ehe sie noch eine abschließende Behandlung erhalten. Passend zum 1. Advent werden die Stollen, die allerdings alle schon aufgeteilt sind – am Freitag, den 25. November, ab 16 Uhr am Backhaus ausgegeben. Das Backteam um Mastermind Ulf Hoffmeister baut damit sein Angebot weiter aus – und hier ist von einer ähnlichen Erfolgsgeschichte wie mit „Charlotte“ zu hoffen. So hat der Vorstand des Fördervereins Kultur- und Heimatpflege Neuhof das Mischbrot getauft, das vom Verein von Beginn angeboten wird. Nachzulesen ist die Herstellung des Brotes, das am 4. November ebenfalls ausgegeben wurde, dank eines Stempels, den der Förderverein angeschafft und so seine Brote nunmehr kennzeichnet
Harte Arbeit steht vor Genuss Hinter dem Genuss, egal ob vom Christstollen oder „Charlotte“ liegt jedoch harte Arbeit für das Team. Bereits einen Tag vor dem Backen wird der Teig für Stollen und Brote vorbereitet – und am Backtag selbst geht es früh los. Bereits um 9 Uhr wird der Holzofen angeheizt, während parallel mit dem Kneten des Brotteiges begonnen wird. Gegen 14.15 Uhr folgte dann am 4. November zunächst das Kneten des Vorteiges des Stollens, sowie um 15 Uhr vom Hauptteig. Eine halbe Stunde wurden dann Früchte und Mandeln unter den Stollenteig gemischt, und um 16.16 Uhr das Formen des weihnachtlichen Gebäcks gestartet. Auch hier ist Timing alles – denn parallel konnten die Brote aus dem Ofen geholt werden und an die Vorbesteller ausgegeben werden.
Und seit dem Start des Backens in Neuhof im März diesen Jahres ist daraus schon ein gewisses Ritual geworden. Kaum ist im Backhaus in Neuhof der Ofen geöffnet und die ersten Brote hinausgenommen, stehen Interessierte Schlange, um es abzunehmen. Auch an diesem Tag war es nicht anders und nach einem kleinen Schwatz leerte sich das Areal um die Köhlerhütte wieder und das Backteam startete wieder das Warten. Um 17 Uhr hatte man die Stollen in den Ofen geschoben, gegen 18.15 Uhr wurden sie wieder herausgeholt und zum Lagern und der endgültigen Behandlung vorbereitet. Alte Tradition reaktiviert Dabei zeigt sich wieder einmal, dass der Förderverein mit dem neuen Backhaus sein Ziel erreicht hat: Es wurde neben der neu gebauten Köhlerhütte ein Alleinstellungsmerkmal für den Südharz geschaffen. Wobei der Verein streng genommen eine alte Neuhofer Tradition reaktiviert hat: Bis in die 1990er Jahre hat es in Neuhof eine Bäckerei und viele private Backhäuser oder Backöfen gegeben. Diese Tradition des Backens sollte mit dem Bau des Backhauses in Erinnerung gerufen werden – und sie wird nun fortgesetzt. Im Gespräch erklärt der Vorsitzende Klaus Liebing, dass man im Jahr 2023 noch viel vor hat. So sollen monatlich offene Backtage angeboten werden. Das System ist schnell erklärt: Die Vereinsmitglieder heizen den Holzofen an – und Interessierte können nach Anmeldung all das, was sie vorbereitet haben, backen lassen. Egal ob Brot, Kuchen oder Pizza, alles ist möglich. Auch Flammkuchen geht, was der Verein selbst bei einer kleinen Feier zum sechsmonatigen Bestehen des Backens in Neuhof erst intern zeigte – und später beim Weinfest an der Köhlerhütte auch Gästen schmackhaft demonstrierte.
Möglich ist all dies nur, da das Backteam um Ulf Hoffmeister in kürzester Zeit perfekt aufeinander eingespielt ist. „Unser Team ist wirklich gut und gewachsen, die Backtage sind nahezu ein Selbstläufer geworden. Jeder weiß, was er machen muss – und trotz der Arbeit macht es einfach Spaß.“ Die Herkunft des Christstollen Ursprünglich basiert der Christstollen auf den keltischen Opferbroten, welche mit der Christianisierung (hierzulande im 8. bis 10. Jahrhundert nach Christus) von den mittelalterlichen Klosterbäckereien übernommen wurden. Er gehört zu den sogenannten „Gebildebroten“, wie es in der Sprache der Bäcker heißt. Damit sind Gebäcke gemeint, die beispielsweise Figuren oder zumindest eine bestimmte Form darstellen. Was viele nicht wissen: Mit seinem weißen Puderzucker-Teppich symbolisiert der Christstollen bereits seit vielen Jahrhunderten das in weiße Tücher eingewickelte Christkind. Wann genau der erste Christstollen gebacken wurde und woher das Originalrezept kommt, lässt sich heute leider nicht genau nachvollziehen. Die Fachwelt ist sich allerdings einig, dass der Vorläufer des heutigen Adventsstollens um 1300 herum in Sachsen entstand. Seine erste urkundliche Erwähnung findet der kalorienreiche Kuchen 1329 in Naumburg an der Saale. Aus einem alten Schriftstück geht hervor, dass die Bäcker von Naumburg ihrem Bischof Heinrich „zween lange